San Pedro de Atacama

Die Atacamawüste ist die trockenste Wüste der Welt. Von Viña del Mar dauert es ganze 24 Stunden mit dem Bus, bis man San Pedro de Atacama erreicht. Wer mit dem Flugzeug anreisen möchte, fliegt von Santiago de Chile nach Calama. Von dort aus geht es mit dem Bus weiter. Kommilitonen von uns flogen die Strecke und waren insgesamt auch 20 Stunden unterwegs, bis sie in San Pedro ankamen.  Das Dorf ist der perfekte Ausgangspunkt für jeden, der diesen unglaublichen Teil der Welt am eigenen Leib erfahren möchte. Ich fasse euch unsere Reise hier Tag für Tag zusammen. Wir haben ein unglaubliches Gesamtbild erhalten und ich würde die Ausflüge genau so wieder machen. Hier gibt es den Bericht auf Spanisch.




Tag 1: Wir waren im Valle de la Luna (Tal des Mondes), im Valle de la Muerte (Tal des Todes) und abends zum Sonnenuntergang auf einem Plateau mit unglaublichem Ausblick. Für die Ausflüge haben wir ein Gesamtpaket bei einer Agentur gebucht, dazu im letzten Absatz ein paar Details. Die Strecke ist eine beliebte Tour für Mountainbikefahrer. Wir waren aber froh einen Guide dabei gehabt zu haben, denn einige interessante Details würden sonst wohl nur Geologen erkennen. Bis zum Valle de la Luna sind es von San Pedro aus 41 Kilometer – bei den Klimabedingungen die die meiste Zeit des Jahres vorherrschen, empfehle ich die Radtour nur trainierten Fahrern.

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Valle de la Luna – Der Mond wacht schon früh über seinem Tal.

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Farbenfrohe Sonnenuntergänge sind in der Atacamawüste an der Tagesordnung!

Tag 2: Der Wecker klingelte um 3:30 in der Nacht. Der eigene Atem war im Schein der Taschenlampe ebenso klar zu sehen wie die Sternenbilder am Himmel. Um punkt 4 Uhr fuhr der Minibus an unserer Unterkunft vor, um uns zu den Geiseres del Tatio (Tatio Geysire) zu bringen. Bevor euch die Zeiten abschrecken: Die Geysire sind unter unseren Top-3 der Naturphänomene, die wir bis heute gesehen haben! Die Landschaft in der Morgendämmerung ist unbeschreiblich schön und die Explosionen der Geysire spektakulär. Zwei wichtige Dinge die es zu beachten gilt: Die Geiseres del Tatio sind auf einer Höhe von über 4000 Metern über dem Meeresspiegel. Regelmäßig müssen Touristen deshalb die Tour abbrechen und landen mit der Höhenkrankheit im nächstgelegenen Krankenhaus. Wer sich nicht besonders fit fühlt, sollte rechtzeitig die Reißleine ziehen! Außerdem herrschen da oben jede Nacht Temperaturen von mindestens 10 Grad unter dem Gefrierpunkt und man ist etwa zwei Stunden draußen unterwegs, dementsprechende Kleidung solltet ihr von Anfang an dabei haben. Wir haben glücklicherweise keine Zwischenfälle erlebt.
Im Preis des Ausflugs war bei den meisten Agenturen ein Frühstück inklusive, unseres war besser als in den meisten Unterkünften – warme Sandwiches, Kaffee, Kuchen, Kekse und heißer Kakao standen für uns bereit als wir zurück an unserem Bus waren. Höhe und mangelnder Sauerstoff machen sich schnell bemerkbar und ein paar Kohlenhydrate zeigen deutlich ihre Wirkung. Als die Sonne längst über dem Horizont stand ging es wieder in den Bus und auf zur nächsten Attraktion – Heiße Thermen. Todesmutig zogen wir uns bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Badesachen an und sprangen in eine Enttäuschung. Natürlich ist das Wasser warm, aber weit entfernt von heiß oder gar wohltuend! Die Qualen wenn man das Lauwarme Wasser (angeblich 30°C) wieder verlässt sind zwar super für Herz und Kreislauf, den Aufwand war es im Endeffekt aber nicht wirklich wert. Als Optimist muss ich aber sagen, dass das Baden in einem natürlichen Pool in 4000 Metern Höhe eine Erfahrung war, die ich nie vergessen werde. Mit der Sonne am blauen Himmel lässt sich die Rückfahrt genießen und die Flora und Fauna, ja, beides gibt es auch in der Atacamawüste, erstrahlt im Gold der Sonne. Um 12 Uhr Mittags waren wir wieder in San Pedro und wenn ihr nicht viel Zeit für San Pedro de Atacama eingeplant habt, würde ich euch diese Tour absolut empfehlen. Es war unser Highlight.
Nach einer Mittagspause in der Sonne trafen wir uns mit einer Gruppe Amerikanerinnen, die auch mit uns studierten, um einen Hike zum Pukará de Quitor, einer alten Inkafestung, zu machen. Zu Fuß sind es aus dem Zentrum nur etwa 20 Minuten bis zur Festung und für nur 2000 chilenische Pesos Eintritt ist es wirklich lohnenswert hinauf zu gehen. Der Blick hinaus in die Wüste und rüber zum Dorf, das von hier aus wirklich wie eine Oase wirkt, ist bis heute eine dieser eingebrannten Erinnerungen. Dieser Tag war zwar anstrengend, aber auch sehr interessant und brachte uns viele neue Eindrücke.

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Über Nacht gefrieren die Löcher im Boden, um dann pünktlich mit dem Sonnenaufgang zu explodieren.

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Die Inkafestung Pukará de Quitor ist zum größten Teil zerstört. Letzte Überreste zeigen aber noch heute die Baukunst.

Tag 3: Der Wecker klingelte wieder relativ früh. Um 7 Uhr holte uns der Minibus ab, damit wir wieder in die Berge fahren konnten. Die Tour der Lagunas Altiplánicas (Lagunen der Hochebene) ist eine Mischung aus Naturschauspiel und dem Besuch von abgelegenen Dörfern in den Anden. Ganz klar liegt der Fokus aber auf der Natur. Als alle Teilnehmer eingesammelt waren, fuhren wir mit der aufgehenden Sonne in die Weite hinaus. Auf einem riesigen Plateau stiegen wir aus und liefen durch eine Landschaft aus Salzkristallen. Nach nur wenigen hundert Metern sahen wir alles doppelt! Der große Salzsee lag perfekt windgeschützt wie ein riesiger Spiegel mit Flamingos darin vor uns. Nach vielen Fotos und Erklärungen ging es zurück zum Bus. Erneut erwartete uns das bereits beschriebene leckere Frühstück. Weiter ging es dann zu den Lagunas Altiplánicas. Kurz bevor wir die Grenze zu Argentinien erreichten war auch unser Ziel erreicht. Ungewöhnlich für unsere Reisezeit: dort oben lag immer noch Schnee. Der Wind der uns fast von den Beinen holte zeigte uns eindrucksvoll warum Schnee und Eis noch nicht schmelzen konnten. Bei den Fotos konnte ich nicht mehr zoomen, weil das objektiv eingefroren war und wir versuchten jeden Zentimeter Haut mit Stoff zu bedecken. Durch den Wind war natürlich nicht an sich spiegelnde Gipfel zu denken und trotzdem bleibt nur ein mögliches Fazit: Die Atacamawüste mit all ihren Facetten ist wunderschön!

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Eine Bildbeschreibung ist hier wohl nicht notwendig.

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Lagunen der Hochebenen – Flora, Fauna, Wahnsinn!

Tag 4: Drei Tage Action, Anstrengung und Eindrücke müssen auch mal verarbeitet werden: zum Beispiel in den Termas de Puritama! Der Bach, dessen Quelle nur wenige hundert Meter oberhalb der Thermalbecken, verläuft über eine unbekannte Strecke unterirdisch und wird vom vulkanischen Magma erhitzt. Es tat gut, in den acht unterschiedlich warmen Becken zu schwimmen und zu entspannen. Sogar heilende Wirkung wird dem mineralienhaltigen Wasser zugesprochen und viele Besucher schmierten sich den schwarzen Schlamm auf die Haut. Dieser Ausflug hat einen stolzen Preis: Neben den Kosten für die Anfahrt sind weitere 9000 chilenische Pesos pro Person für den Eintritt in die Puritamathermen zu bezahlen. Wahrlich kein Schnäppchen, es hat uns aber gut gefallen und wir hatten viel Spaß. Als absolutes Muss würde ich die Termas de Puritama aber nicht beschreiben. Ganz anders als unseren letzten Tag.

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Jedes Becken hat eine andere Wassertemperatur. Perfekte Entspannung!

Tag 5: Mit dem Fahrrad durch die Wüste! Absolute Stille, in der Ferne ein Sandsturm und plötzlich Wasser. Die Laguna Cejar wird von den meisten Agenturen Nachmittags angefahren, also fuhren wir vormittags los. Der Weg ist relativ gut ausgeschildert und jeder Einheimische kann sofort helfen, falls man an einer Kreuzung nicht weiter weiß. Die Fahrt dauert mit Pausen 2 Stunden pro Strecke, die sich aber wirklichen lohnen. Das Wasser der Laguna Cejar ist so kalt, dass es auf der Haut schmerzt, es ist aber auch so salzig, dass man an den tiefen Stellen stehen kann, ohne den Boden zu berühren. Einfach auf dem Wasser zu treiben ist total entspannend und vormittags ist man fast allein an diesem surreal wirkenden Ort. Den Salzgehalt kann man nicht nur schmecken, man sieht ihn am Ufer und nach dem Bad auch deutlich auf der Haut. Am Parkplatz neben der Hütte liegt ein Schlauch aus dem Süßwasser in Kanister gefüllt werden kann, um sich das Salz so gut es geht von der Haut zu waschen. Dieses Abenteuer empfehle ich jedem, der sich fit fühlt und eine kleine Herausforderung sucht.

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Eine willkommene Fotopause mitten im Nirgendwo der Atacamawüste.

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Unglaublicher Ausblick, eiskaltes Wasser, Laguna Cejar!

Noch ein paar Infos: Wir haben die ganzen Touren vor Ort bei Vive Atacama Travel Agency gebucht. Da wir alle Touren mit sechs Personen buchten, gewährten sie uns einen Rabatt – nachfragen lohnt sich immer! Jana und ich schliefen in unserem Zelt auf dem kleinen Areal vom Hotel Takha Takha. Es hat uns dort gut gefallen, alles war unkompliziert und nur an den beiden letzten Nächten gesellten sich zwei weitere Camperpaare zu uns. Camping in der Wüste (wenn auch im Zentrum von San Pedro) machte die Erfahrung noch intensiver und ich würde es wieder machen! Auch wenn wir bereits verhältnismäßig viele Tage in der Atacamawüste verbracht haben, gibt es natürlich noch viele weitere Touren die sich hier lohnen: Sandboarden, Sternenfotografie und das Besteigen des aktivsten Vulkans im norden Chiles, um nur drei zu nennen. In San Pedro de Atacama gibt es einige gute Restaurants – schon lange bevor Superfood in Deutschland vermarktet wurde, wusste man zum Beispiel im Restaurant Tierra todo natural, dass Müsli mit Quinoa, Obst und Yoghurt gut für uns sind.

So verlief unsere Reise durch die fünfte Region Chiles. Es war die nördlichste Region die wir bereist haben. Wie jede Region in diesem Land hat auch Atacama kulturell, landschaftlich und kulinarisch einiges zu bieten. Auf eurer Reise durch das Land solltet ihr San Pedro de Atacama, Los Geiseres del Tatio und La Laguna Cejar unbedingt einplanen!  Für uns war es eine unglaubliche Erfahrung!

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