Región Coquimbo – Gutes Essen, Pisco und Natur

Zehn Studenten, vier Nationen, eine chaotische Hostelbuchung, eine unvergessene Bootsfahrt und der Beginn einer Avocado-Sucht. So die Zusammenfassung unserer Reise in die vierte Region Chiles. Sie liegt damit nördlich von unserem damaligen Wohnort Viña del Mar und die Hauptstadt der Region Coquimbo – La Serena – ist relativ schnell mit dem Bus zu erreichen. Im Vergleich mit unseren anderen Bustouren saßen wir dieses mal nur fünf Stunden in einem total überhitzten Bus und kamen mitten in der Nacht in La Serena an. Ich werde euch die Highlights präsentieren und zwei typisch chilenische Rezepte vorstellen – Ají Pebre und Guacamole!




Die Region Coquimbo grenzt südlich an die Region Valparaíso (Quinta Región) und im Norden an die Región de Atacama (Tercera Región). Im Osten wartet bereits Argentinien und in westlicher Richtung kommt lange Zeit nichts außer dem Pazifik. Leider taucht die Region, und auch speziell die Städte Coquimbo und La Serena, regelmäßig durch die vielen Erdbeben auch in deutschen Medien auf. Nirgendwo in Chile ist man vor einem schweren Erdbeben sicher, deshalb sollte die Frequenz in der Region Coquimbo niemanden davon abhalten dort Halt zu machen. Vor Ort entschieden wir uns für zwei Ausflüge: Las Islas Damas und die Tagestour ins Valle del Elqui.

So beeindruckend die ganze Reise war, eine Erfahrung sticht deutlich hervor: Auf wenigen Kilometern ändert sich das Klima in dieser Region zwei bis drei mal! Das erfuhren wir bereits auf dem Weg zum Hafen von Punta Choros, von dort aus starten die Touren zu den Islas Damas. In La Serena fuhren wir mit angezogener Jacke bei diesigen 18° Celsius los, auf halber Strecke erreichten wir Ausläufer der Atacamawüste und machten im T-Shirt bei angenehmen 26 grad eine Pause. Als wir in Punta Choros ankamen, regnete es leicht, es war windig und wir tranken einen Kaffee um uns aufzuwärmen. Warum ich die Bootsfahrt als unvergessen in der Einleitung erwähne? Einer der Spanier wurde mal seekrank. Aus reiner Sorge um uns, ging er noch in La Serena zur Apotheke und besorgte Tabletten die auch garantiert nicht müde machen sollten. Das überzeugte uns vorsichtshalber eine zu nehmen. Kaum auf dem seefesten Schlauchboot lehnte Jana schlafend an meiner Schulter, die Anderen guckten mich an als wären sie auf Entzug und kurze Zeit später verschliefen auch sie die Fahrt über die Wellen mit gelegentlichen Erklärungen der Guides. Ich weiß nicht warum die Tabletten zunächst keinen besonderen Einfluss auf mich hatten, heute ist es aber eine Geschichte die jeden von uns lachen lässt und ein Grund warum die Fotos besser unter Verschluss bleiben! Das Wetter besserte sich kaum, aber es hörte auf zu regnen. Auch bei den diesigen Verhältnissen war die Natur beeindruckend, bei Sonnenschein und blauem Himmel glitzert das Wasser Türkis und lädt zum Baden ein. So hätte es aussehen können, bei uns sah das ganze leider so aus:

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Eine der schönen Buchten auf den Islas Damas.

Wenn man Jana nach der Bootstour fragt, antwortet sie gerne mit „Oh, Delfine“. Das beschreibt wohl auch ganz gut ihren Zustand den die Tabletten auslösten. Tatsächlich sind die Kolonien von Delfinen und Humboldt-Pinguinen hier gut geschützt und strenge Auflagen für die Reiseagenturen sorgen dafür, dass das auch so bleibt.

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Nirgendwo auf der Welt leben so viele Humboldtpiguine wie auf den Islas Damas.

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Das mit den Delfinfotos übe ich noch – versprochen!

Auf dem Rückweg schaffte die Reisetablette es auch mich in einen tiefen Schlaf zu versetzen. Die Strecke ist aber ohnehin genau wie auf dem Hinweg. Nachdem wir die Wirkung der Tabletten mit viel Wasser und Schlaf bekämpft hatten, gingen wir einkaufen, um Abends gemeinsam im Hostel zu kochen. Neben Fajitas mit Gemüse, Hähnchen und Tomatensoße bereitete einer unserer Spanier Guacamole zu. Nachdem ich zaghaft probierte, war es Liebe auf den ersten Nacho. Ich konnte nicht genug bekommen und heute gibt es so oft wie möglich Avocado in jeder Variation. Die Guacamole bereite ich dabei wie folgt zu:

Guacamole – gute Fette, lecker und gesund!IMG_0028
Zutaten:
2 Avocados
1 EL Olivenöl
1 Frühlingszwiebel
4 Cherry-Tomaten (oder 1 Strauchtomate)
1 gestrichenen TL Salz
1/2 TL gemahlenen Pfeffer
Nachos, Chicorée zum dippen oder einfach pur vorm Fernseher löffeln!
Die Zubereitung ist so schön simpel: Frühlingszwiebel und Tomaten fein schneiden, die Avocado halbieren, den Kern aus der Mitte entfernen und das grüne Gold mit einem Löffel aus der Schale holen. In einer Küchenschale nun das Avocado-Fleisch mit dem Öl, Salz und Pfeffer mit einer Gabel zerdrücken bis eine cremige Konsistenz erreicht ist. Zuletzt die Zwiebel und die Tomaten vorsichtig unterrühren und schon ist der vielseitige Dip fertig.
Einkaufstipp: Immer wenn die Avocado cremig gerührt werden soll, eignet sich die Sorte „Hass“, gut zu erkennen an der fast schwarzen, runzeligen Schale, am besten. Leider gibt es sie in Deutschland nicht das ganze Jahr über zu kaufen und man muss sich mit den grünen über die schwere Zeit helfen. Wenn sie weich sind, schmecken sie aber auch gut. Wer in Chile auf dem Wochenmarkt „Avocado para Guacamole“ bestellt wird immer die leckere „Hass“ Sorte bekommen.

Nach diesem Festmahl schliefen wir zu neunt in einem Sechs-Bett Zimmer. Die Website auf der wir das Hostel buchten funktionierte offensichtlich nicht korrekt und das Hostel wurde schlichtweg überbucht. Gelöst wurde das Problem typisch Südamerikanisch – ein kleiner Preisnachlass, zwei Matratzen auf dem Boden und schon hatten alle einen Schlafplatz!
Am nächsten Morgen waren wir etwas spät dran. Unsere Hosts hatten ein liebevolles Frühstück vorbereitet, welches wir leider kaum genießen konnten. Wir packten uns ein paar Sandwiches ein, tranken eine halbe Tasse Kaffee und schon saßen wir erneut in einem Minibus. Das Wetter in La Serena war wieder leicht bedeckt und unter 20°C. Heute machten wir die Tour ins Valle del Elqui – das Elqui Tal. Der namengebende Fluss sorgt für üppige Vegetation und die geschützte Lage in den Ausläufern der Anden hält die Wolken an den meisten Tagen ab. So war es auch an unserem Ausflugstag und wir fanden uns schon nach wenigen Kilometern erst im Pullover und später im T-Shirt an den Hotspots der heutigen Tour.
Auf dem Parkplatz der ersten Attraktion roch es süßlich und fruchtig. Der Ausblick auf das umliegende Gebirge war mal wieder wunderschön und vor uns lag eine riesige Papaya Plantage, in der wir wenige Minuten später herumspazierten. Die Bäume, behangen mit den Früchten in allen Reifestadien, boten uns Schatten und sammelten selbst die Sonnenstrahlen für die saftigen gelben Früchte. Nach der Führung durch die Baumreihen ging es zum Verköstigen des frischen Saftes und der Marmelade in das kleine Büro der Plantage. Sehr lecker und informativ! Der nächste Stopp zeigte uns auf imposante Art und Weise einen Eingriff des Menschen in die Natur. Wir fuhren den Stausee Puclaro (Embalse Puclaro) an und standen schon bald auf der 80 Meter hohen und 600 Meter langen Staumauer. Es gibt nicht besonders viel zu sehen, aber der Spaziergang auf der Mauer ist ganz nett. Insgesamt ist die Staumauer des Puclaro Stausees ein imposantes Bauwerk und der Besuch empfehlenswert.

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Die Umgebung des Embalse Puclaro ist einzigartig.

Anschließend machten wir uns auf zu dem Tageshighlight. Wenn man über chilenische Spezialitäten liest, ist jede Liste unvollständig – oder schlecht recherchiert – wenn nicht Pisco darauf zu finden ist. Ähnlich wie mit dem Champagner, darf sich in Chile nur Pisco nennen, was im kleinen Ort „Pisco Elqui“ gebrannt, bzw. aus den Trauben die dort wachsen produziert wurde. Selbstverständlich liegt Pisco Elqui im Valle del Elqui. Hier wachsen die Pisco-Trauben unübersehbar am Straßenrand. Wir besuchten die Destillerie „Los Nichos„. Hier werden alle Qualitäten des Piscos noch nach alten Traditionen hergestellt. Nachdem uns der Prozess der Herstellung erklärt wurde, darf natürlich probiert werden. Es verhält sich dabei wie mit Rum oder Whiskey – günstiger eignet sich zum Mischen mit unalkoholischen Getränken, der teure (etwa 80 Euro pro Flasche) ist ohne jedes Brennen im Hals pur gut zu genießen. Ebenfalls in Pisco Elqui befindet sich die Brennerei „Pisco Mistral“, ein Pisco, den es in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Die Herstellung ist durch die enorme Menge die produziert wird natürlich vollautomatisiert und der Einblick in die Produktion mit Sicherheit ganz anders als im Familienunternehmen „Los Nichos“. Davon, dass auch der günstige Pisco Mistral mit Cola gemischt oder als Pisco-Sour Aperitif schmeckt, konnten wir uns während der Zeit in Chile oft genug selbst überzeugen.

 

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Der Los Nichos Pisco – seit über 150 Jahren im Familienunternehmen produziert.

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Der zentrale Platz in Pisco Elqui lädt zum verweilen ein.

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Die gepflegte kleine Kirche in Pisco Elqui.

Ganz egal ob im hochklassigen Restaurant in erster Strandlage oder im kleinen Imbiss, neben Pisco gehört in Chile ein Körbchen Brot mit Ají-Pebre auf den Tisch. Ají ist dabei eine sehr scharfe Paprika, die ich hier in Deutschland leider noch nie gefunden habe. Man muss sich also mit grünen Chilis oder einem kleinen Stück Habanero aushelfen, wie ich es zuletzt gemacht habe:

 

Ají Pebre – Scharfer Dip passend zu Kartoffeln, Brot und Fleisch

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Pan Batido, Ají Pebre, Guacamole und Chorizo. Kulinarische Erinnerungen an eine unglaubliche Zeit.

Zutaten:
500 ml passierte Tomaten
1 kleine Habanero oder Chilischote
2 mittelgroße Spitzpaprika
4 große Tomaten
1 Zwiebel
2 Zehen Knoblauch
1 EL Essig
2 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer
Zubereitung: Zunächst die passierten Tomaten in einen Topf geben und einkochen, bis die Soße etwa die Konsistenz von Ketchup hat. Währenddessen alle weiteren Zutaten so fein wie möglich hacken. Ein Stück Habanero, ich habe von einer kleinen Schote etwa ein drittel benutzt, oder das scharfe Gemüse eurer Wahl, in die Soße geben, vom Herd nehmen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und abkühlen lassen. Die restlichen Zutaten schon zusammen in eine Schale geben und sobald der Ketchup abgekühlt ist, so viel zu dem Gemüse geben, dass es ein ausgewogenes Verhältnis ergibt. Sollte von dem Ketchup etwas über bleiben schmeckt er auch so und hält sich für ein paar Tage im Kühlschrank. Zuletzt ordentlich umrühren, damit sich auch der Essig und das Öl gut verteilen. Der Dip wird üblicherweise mit Pan Batido oder Pan Amasado, aber auch wirklich zu jeder Gelegenheit, serviert.

So verlief unsere Reise durch die vierte Region Chiles. Wie jede Region hat auch die Region Coquimbo kulturell, landschaftlich und kulinarisch einiges zu bieten. Auf eurer Reise durch das Land solltet ihr La Serena, Valle del Elqui und Las Islas Damas unbedingt einplanen!

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